50 years of Gernot

Die 1966er Chronik

1966
Chinesischer Kalender: Jahr des Feuer Pferdes 丙午
Japanischer Kalender: Showa 41
Jüdischer Kalender: 5726 – 5727
Islamischer Kalender: 1385 – 1386
MCMLXVI

Chronik 1966 - „Große Proletarische Kulturrevolution“ in China

In der UdSSR gab es einen Machtwechsel. Leonid Breshnew wurde Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU. Die Menschen in der Sowjetunion nahmen die neue Führung zunächst mit Zuspruch an. Breshnew, der Unantastbare, stand für politische Stabilität ohne Reformen. Die Welt wurde außerdem Zeuge der beginnenden, vom chinesischen Machthaber Mao Zedong eingeleiteten „Großen Proletarischen Kulturrevolution“, die durch die „Vollstrecker“, die Roten Garden, umgesetzt wurde. Von der Beseitigung staatlicher Missstände war die Rede. Schließlich wurden Massenkampagnen daraus, die auch zur Zerstörung wertvoller Kulturgütern führten.

Hatte noch im Mai der Beluga-Wal im Rhein die Menschen in Atem gehalten und wochenlang die Presseberichte als „Moby Dick“ beschäftigt, so wurden die Nachrichten zum Ende des Jahres angefüllt vom Rücktritt des Bundeskanzlers Ludwig Erhard. Unter dessen Nachfolger, Kurt-Georg Kiesinger, nahm die erste Große Koalition in der BRD, bestehend aus SPD und CDU/CSU, ihre Arbeit auf.

Die Sommerschlagzeilen waren dem Fußball gewidmet. Deutschland war ins Endspiel gekommen und bestritt das Finale gegen England. Das sogenannte Wembley-Tor entschied die dramatischen 90 Minuten in der Verlängerung zugunsten der Engländer, die zum ersten Mal den Weltmeistertitel gewannen.

Autochronik 1966 - Viele Autos, schlechte Straßen

Im Autojahr 1966 hatten die Menschen zwei große Wünsche: den eigenen Fernseher und vor allem ein eigenes Auto. Und viele wollten sich dieses endlich auch leisten können. Für die deutschen Straßen bedeutete dies, dass sie von Jahr zu Jahr voller wurden. Auch deshalb mussten dringend neue (Verkehrs)Konzepte her. Insgesamt „drängten“ sich im Autojahr 1966 mehr als 12 Millionen Fahrzeuge auf den Straßen der Bundesrepublik Deutschland. Das Autojahr 1966 brachte in Sachen Straßenbau Bewegung – vor allem was die wichtigen Autobahnen betraf. Voller Stolz wurde u.a. ein völlig neues und absolut hoch technisiertes Verkehrssignal-System vorgestellt – Kostenpunkt: über 2,5 Millionen D-Mark. Dieses wurde ferngesteuert und damals erstmalig auf der Autobahn zwischen München und Salzburg eingesetzt. Via Knopfdruck konnte die Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Anzeigetafeln der Autobahnen heruntergesetzt werden.

Größere Straßen für mehr Fahrzeuge: das Autojahr 1966
Ein weiterer wichtiger Punkt, um mehr Fluss in den Autoverkehr zu bringen, war der Ausbau der Autobahnen auf drei- bis vier Spuren. Übrigens: jeder 20ste Bundesbürger starb zu dieser Zeit (schon) durch einen Verkehrsunfall. „Unabhängigkeit“ und „Mobilität“ – diese beiden Stichworte waren auch im Autojahr 1966 eng mit dem Wunsch nach dem eigenen PKW verbunden. Allerdings hatte sich etwas verändert – immer mehr wollten anstelle eines Kleinwagens – wie z.B. die Isetta – ein Auto der Mittelklasse fahren. Dieses versprach neben mehr Platz und auch Fahrkomfort, vor allem eine stärkere Motorisierung. Der Focus lag damals vor allem bei den Motoren zwischen 60 und 90 PS. Und das bayerische Autounternehmen BMW wusste z.B. genau, was Autodeutschland in Zeiten des Wirtschaftswunders wollte: während die Produktion der kleineren Modellreihe „700“ eingestellt wurde, präsentierte BMW den „2000“ und „1600“. Beide PKW boten Platz für die gesamte Familie und waren sportlicher als viele „Normalo“-Autos dieser Zeit.

Im Focus des Autojahres 1966: die Mittelklasse-Wagen
Buhlten die Automobil-Hersteller noch in den 1950er Jahren um die Kundschaft, die auf der Daffodil Prospekt 1966Suche nach einem geeigneten Kleinwagen waren, bahnte sich jetzt ein Kampf um die Mittelklasse an. Passend dazu schickte Audi die Modelle „80“ und „Super 90“ ins Rennen – mit Innovationen wie Mitteldruckmotor, Frontantrieb oder auch einer selbsttragenden Karosserie. Im September des Autojahres 1966 präsentierte Opel seinen neuen Rekord – dafür wurde sogar (erstmalig) eine riesige Werbekampagne gestartet – jeder sollte davon erfahren. Der neue Rekord C präsentierte sich immerhin mit deutlichen Veränderungen. Er hatte einen längeren Radstand – eine breitere Spur und bot der Kundschaft die neuesten Sicherheitsstandards. Der Rekord C war in sieben verschiedenen Motorisierungen zu haben – zwischen den Autojahren 1966 bis 1972 verkauften sich von dem Rekord C über 1.250.000 Exemplare. Und damit war dieser eines der erfolgreichsten Opel-Modelle überhaupt. Eben ein echter Rekord!

Absolut gefragt im Autojahr 1966: der Opel Kadett
Der Opel Kadett war ebenfalls ein erfolgreicher Bestseller! Im Autojahr 1966 lief das Millionste Exemplar vom Band der Rüsselsheimer Werke. Glückwunsch! Das Modell Kadett B konnte vor allem der Konkurrenz - wie z.B. dem Ford 12M - richtig „Paroli“ bieten. Übrigens: auch die Import-Autos wie der neue Renault 16 oder der Fiat 124 waren sehr beliebt bei der deutschen Kundschaft. Trotzdem waren gerade einmal 15 Prozent der Neuwagen im Autojahr 1966 aus dem Ausland. Und das stimmte die deutschen Automobilhersteller gütlich – schließlich war der (gesamte) Automarkt mittlerweile hart umkämpft. Mit Aktionen wie z.B. große Rabatte und Preisnachlässe versuchten die Autobauer den Kunden den Kauf noch etwas schmackhafter zu machen. Interessant war das Gerücht, dass VW bald einen Nachfolger für den mega-erfolgreichen Käfer präsentieren wolle. Doch dabei blieb es dann auch – dem Käfer machte diese Behauptung rein gar nichts aus: er blieb weiterhin das meistverkaufte Auto. Ein neuer Sportwagen.

Lamborghini der mit aller Kraft Ferrari Paroli bieten wollte brachte den neuen Supersportwagen Lamborghini Miura auf den Markt. Es war ein 12 Zylinder, hatte fast 400 PS und knackte zum ersten Mal die 300 Kilometer pro Stunde Marke.

Auto des Jahres 1966
Der Renault 16 war Auto des Jahres 1966

Chart Hits 1966 Schlagercharts

Frank Sinatra - Strangers In The Night

Chris Andrews - Yesterday Man

Drafi Deutscher - Marmor, Stein und Eisen bricht

Al Martino - Spanish Eyes

Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich - Bend It

Freddy Quinn - Hundert Mann und ein Befehl

The Mamas & The Papas - Monday Monday

Beach Boys - Barbara Ann

Nancy Sinatra - These Boots Are Made For Walking

Beatles - Yellow Submarine

Rolling Stones - Get Off Of My Cloud

Roy Black - Ganz in weiß

Udo Jürgens - Siebzehn Jahr blondes Haar

Chris Andrews - To Whom It Concerns

Troggs - With A Girl Like You

Beatles - We Can Work It Out

Graham Bonney - Super Girl

Beatles - Paperback Writer

Sonny & Cher - Little Man

Tommy James & The Shondells - Hanky Panky

Rolling Stones - 19th Nervous Breakdown

Troggs - Wild Thing

Los Bravos - Black Is Black

Udo Jürgens - Merci, Chérie

McCoys - Hang On Sloopy

Filmjahr 1966 – Roman Polanski ließ Vampire tanzen

Das Pokerspielen stand am Anfang des Kinojahres 1966 im Focus der Lichtspielhäuser, nämlich bei „Cincinnati Kid“ von Norman Jewison mit Steve McQueen und Edward G. Robinson in den Hauptrollen. Dabei geht es um den jungen Eric Stoner, der nicht nur ein meisterhafter Pokerspieler ist, sondern auch den Mut hat, sich mit dem Altmeister Lancey Howard messen zu wollen. Stoner wird auch Cincinnati Kid genannt. Einige so genannte Freunde versuchen ihn dafür zu benutzen, es dem Altmeister im Karten-Marathon zu zeigen und somit hohe Wettgewinne aus dem Spiel zu erzielen. Das geht so weit, dass der Kartengeber Shooter das Blatt zu Gunsten des jungen Pokerspielers manipuliert. Als Stoner das bemerkt, wehrt er sich dagegen, denn er möchte auf ehrliche Art und Weise das Spiel gewinnen. Der Titelsong „The Cincinnati Kid“ wird von Ray Charles gesungen. Der Film selbst wurde mit einer Golden-Globe-Nominierung geehrt.
Gerade in den 1970er Jahren gab es eine Flut an Katastrophenfilmen in Kino und TV. Auch im Filmjahr 1966. Hier präsentierte Regisseur Robert Aldrich „Der Flug des Phönix“ mit James Stewart, Richard Attenborough und dem Deutschen Hardy Krüger in den Hauptrollen. In der Geschichte geht es um einen Flugzeugabsturz über der nordafrikanischen Wüste Sahara. Grund dafür ist ein starker Sandsturm, in den die Maschine einer Ölfirma gerät. Irgendwo im Nirgendwo muss der Flieger notlanden. Die meisten Insassen haben das Unglück überlebt. Das Funkgerät ist kaputt. Hilfe ist nicht in Sicht. Der deutsche Flugzeugkonstrukteur Heinrich Dorfmann (gespielt von Hardy Krüger) hat die Idee, aus dem Wrack ein neues einmotoriges Flugzeug zu bauen. Der Film verspricht Spannung pur und das über die gesamte Zeit. Mit dem Mythos „Vampirismus“ beschäftigt sich der Kultfilm „Tanz der Vampire“ von Roman Polanski aus dem Kinojahr 1966. Professor Abronsius macht sich mit seinem Assisten Alfred (gespielt von Roman Polanski) nach Transsylvanien auf. hier will er „lebende“ Vampire finden und erforschen. Als die beiden dort Rast in einem Gasthaus machen, finden sie die ersten Hinweise auf die ungeliebten Blutsauger, nämlich Knoblauch. Trotzdem will man hier nichts von der Existenz der Vampire wissen. Während sich Assistent Alfred in die schöne Tochter des Wirts verliebt, hat noch ein ganz anderer ein Auge auf die Schönheit geworfen, Graf von Krolock, der sich direkt in das Mädchen „verbeißt“. Denn der Graf ist einer der Vampire, die in dieser Gegend seit Jahrtausenden ihr Unwesen treiben. Dann ist da auch noch der schwule Sohn des Grafen, der sich in den Assistenten Alfred verliebt. Im Jahre 1997 feierte „Tanz der Vampire“ als Musical Premiere, wiederum unter der Regie von Roman Polanski. Trotz aller Bemühung gilt diese Neufassung des Musicals als größter Flop der Broadwaygeschichte.

Die Drehorte des nächsten Kinostreifens können sich wahrlich sehen lassen: Hongkong – Tokio – Hawaii und Cape Cod (USA). So viel Aufwand wurde für den fünften James-Bond-Film im Jahre 1966 betrieben – „Man lebt nur zweimal“. Die deutsche Schauspielerin Karin Dor spielt die Rolle der Agentin Helga Brandt. In der Geschichte geht es um ein merkwürdiges Raumfahrzeug, das immer wieder bemannte Raumschiffe der USA und auch der Sowjetunion entführt. Beide Mächte machen den jeweils anderen dafür verantwortlich und deshalb könnte schon bald ein Atomkrieg drohen. Um Licht ins Dunkel zu bekommen, muss James Bond (Sean Connery) erst einmal seinen Tod vortäuschen. Danach ist Hongkong sein Ziel, der Superagent Ihrer Majestät will dem Verdacht nachgehen, dass die Raumfahrzeuge hier irgendwo gelandet seien. Zusätzlich bekommt 007 die Hilfe von dem japanischen Geheimdienst. Gemeinsam machen sie den Verantwortlichen aus. Es ist Ernst Stavro Blofeld und seine Organisation SPECTRE. Außerdem stellt sich heraus, dass die Volksrepublik China selbst an diesem verbrecherischen Spiel beteiligt ist und Blofeld mit Geld unterstützt. Alles in der Hoffnung, die Weltherrschaft an sich ziehen zu können. In Deutschland erhielt „Man lebt nur zweimal“ für seinen Erfolg an den Kinokassen die Goldene Leinwand.
Das Kinojahr 1966 zeigte auch den abenteuerlichen Streifen „Die phantastische Reise“ in den deutschen Lichtspielhäusern. Der US-amerikanische Science-Fiction-Film handelt von einer Gruppe Menschen, die sich samt einem U-Boot minimieren und in die Blutbahn eines tschechischen Wissenschaftlers injizieren lassen. So wollen sie bei ihm eine schwierige Gehirnoperation bewerkstelligen, um an wichtige Informationen ihres Patienten kommen zu können. Die Tricktechnik von damals hatte – verglichen mit der von heute – ein sehr hohes Niveau und konnte sich durchaus sehen lassen. Der tschechische Wissenschaftler Dr. Benes flüchtet in den Westen. Während dieser Aktion wir ein Anschlag auf ihn verübt mit dem Ergebnis, dass er hat ein tödliches Blutgerinnsel im Gehirn hat, das nicht auf konventionelle Weise entfernt werden kann. Durch eine neuartige Technik soll eine Mediziner-Crew in einem U-Boot auf Mikrobengröße verkleinert werden, um an dem Wissenschaftler die lebensrettende Gehirn-OP vornehmen zu können. Das Problem daran ist, dass sich nach einer Stunde im Körper das U-Boot und Crew wieder vergrößern. Dementsprechend müssen sie sich spätestens dann außerhalb des Körpers befinden. Eine zusätzliche Gefahr sind die Antikörper des Wissenschaftlers, die während des Aufenthaltes im Körper das U-Boot angreifen und versuchen werden, diesen Fremdkörper mit allen Mitteln zu vernichten. Für diese cineastische Leistung bekam „Die phantastische Reise“ zwei Oscars für „Beste Spezialeffekte“ und „Bestes Szenenbild“. Zusätzlich gab es zwei weitere Oscar-Nominierungen für „Bester Schnitt“ und „Beste Kameraführung“.

Der Vater von Micky Maus, Walt Disney, verstarb am 15. Dezember 1966 an Lungenkrebs.

Filmdebüts und Neuerscheinungen Ab 1966 drehte Rainer Werner Fassbinder seine ersten Filme und bekam auch schon einen Preis der Jungen Akademie München.

Literatur 1966 Das literarische Jahr

In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts begehrte die Jugend auf, sie suchte nach neuen Wertsystemen und gesellschaftlichen Orientierungen, sie forderte Umwälzung und Revolution, was letztendlich in den Studentenrevolten des Jahres 1968 gipfelte und von dort aus überleitete in eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte, der Terrorisierung der Bundesrepublik Deutschland durch die RAF. Doch die Rufe nach Neustrukturierung waren bereits im Vorfeld der Revolten laut geworden und erfassten ein gesamtgesellschaftliches Spektrum; so wirkten sie sich auch auf die künstlerische Produktion aus.

Gerade die jungen Köpfe unter den deutschsprachigen Literaten begannen mit den tradierten Normen und Regeln der Poesie zu brechen, unter ihnen der österreichische Schriftsteller Peter Handke, dessen Stück "Publikumsbeschimpfung" im Juni des Jahres 1966 in Frankfurt am Main uraufgeführt wurde; der Verfasser war zu diesem Zeitpunkt gerade 24 Jahre alt. Vor allem im Frühwerk des Autors dominierte die Sprache als zentrale Thematik, die Sprache als Möglichkeit der Wirklichkeitserschließung, wie sie bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts von Philosophen wie Ludwig Wittgenstein oder Fritz Mauthner zum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen, Diskussionen und Abhandlungen gemacht worden war. Auch mit seiner "Publikumsbeschimpfung" widmete sich Handke dem Thema des Sprechens, das im Grunde auch die alleinige Handlung des Stückes darstellt, das mit den Regeln und Konventionen des ursprünglichen Theaters und der vorherrschenden Dramentheorie, die im 20. Jahrhundert vor allem von Bertolt Brecht geprägt war, radikal brach.

Diese Absage an die Tradition formulierte Peter Handke mehr als deutlich, was sich sowohl am Inhalt des Sprechstückes wie auch an dessen Umsetzung zeigte. Nicht mehr die didaktischen und dokumentarischen Ansätze eines Brechts standen im Vordergrund, das Nachdenken über das Theater selbst sollte angeregt und gefördert werden, wozu sich der Österreicher vor allem der Beziehung zwischen den Akteuren und dem Publikum zuwandte.

In der "Publikumsbeschimpfung", die ihren Adressat bereits im Titel verrät, wurde das Verhältnis umgekehrt, die Zuschauenden saßen mit einem Mal im Rampenlicht und fanden sich direkt angesprochen von den vier namenlos bleibenden Mimen auf der Bühne, die ausgehend von allgemeinen Formulierungen und Ansprachen letztendlich zu einer Beschimpfung der vor ihnen Sitzenden übergingen, in deren Hintergrund deutlich die Vergangenheit des Dritten Reiches dominierte.

Der abschließende Applaus dieser Premiere kam nicht von Seiten des Publikums, die Schauspieler klatschten den vor ihnen Sitzenden Beifall und überließen sie nach dieser Premiere dem Gefühl, Zeuge von etwas komplett Neuartigem geworden zu sein.

Das Modejahr 1966 - Die Jugendlichen liebten viele Stilrichtungen

Wenn die jungen Leute ihre langen Haare zum Rhythmus von Beatles-Musik oder den Protest-Songs von Bob Dylan schüttelten, dann waren sie unter sich. Sie gehörten, glaubte man der bürgerlichen Meinung, zu den Gammlern. Diese abwertende Bezeichnung prägte die Jugend einer ganzen Generation. Doch was taten die jungen Leute? Sie liebten eine andere Musik, kleideten sich ungeniert und bewegten sich freier als ihre Eltern. Hinzu kam die sexuelle Freiheit, die sie auslebten. Das konnte den Älteren nicht gefallen. So viel Unordnung zog viel Ablehnung nach sich.

Doch aufzuhalten waren diese Jugendlichen nicht mehr. Sie liebten die verschiedenen Stilrichtungen, wenn die nur anders waren als die Anzug-Welt der bürgerlichen Spießigkeit. Die Pop-Art wurde zur Selbstverständlichkeit, kombiniert mit der Op-Art und das alles gegen die neue Romantik, in der wadenlange Mäntel über dem kurzen Rock getragen wurden. Die Abendkleidung zeichnete sich durch silberfarbene Brokatstoffe aus. Kleider und Hosenanzüge im dezenten Silberton sollten an den Weltraum erinnern. Kombiniert wurde die Abendgarderobe mit einer Kappe, die am Kopf anlag und voller Pailletten war. Je ausgefallener, desto schicker.

Während die Jugend gern Op- und Pop-Art trug, sich mit der Geometrie angefreundet hatte, die sich in der Kleidung widerspiegelte und Farbzusammenstellungen liebte, die die Augen irritierten, konnte die etablierte Frau sich nur an der aufkommenden Romantik modisch orientieren. Kostüme und Kleider aus den Vorjahren wurden aufgetragen. Damit war das immer wieder verwendete Benutzen von Kleidung gemeint, das in diesem Fall aber weniger aus Sparsamkeitsgründen geschah, sondern deshalb, weil diese Altersgruppe von den renommierten Modemachern unbeachtet blieb. Die Jugend war so sehr in den Vordergrund gerückt, dass es die Dame von Ende Zwanzig und älter scheinbar nicht gab. Ähnlich war es bei der Mode der etablierten Herren. Wenn Mann sich abends nicht gerade edel und teuer aussehend kleidete, um damit aufzufallen, dann waren die Möglichkeiten der Tagesmode nicht sehr ergiebig. Und auch Jeans gehörten der Jugend. Undenkbar, dass der Vater sich der Mode des Sohnes hingab. Doch vielleicht hätte gerade das zum besseren Verständnis beigetragen.

Die Entrüstung war groß, als Yves Saint-Laurent eine durchsichtige Chiffon-Bluse vorstellte, unter der nichts als nackte Haut zu sehen war. Der Transparent-Look war bodenlos, doch die Herren riskierten gern einen Blick, bevor sie sich über Moral unterhielten. Im alltäglichen Leben kam die transparente Kleidung gut an, wenngleich sie mitunter gemildert wurde, weil Frau eine Kleinigkeit unter der Bluse trug. Nun war die Freizügigkeit, die sich in der Mode der Jugend ausdrückte, nicht allein Grund zur Sorge. Es war auch der erhöhte Drogen-Konsum, der nicht mehr zu übersehen war. Selbst in der Musik der „Beatles“ und der „Rolling Stones“ waren psychedelische Elemente nicht zu überhören. Einerseits wollte die Jugend frei und anders sein, andererseits herrschte eine große Orientierungslosigkeit. Was modisch extrem war und Protest ausdrückte, war en vogue. Und da war immer noch der Mini-Rock der Stein des Anstoßes und heiß umstritten. Die Meinungen gingen auseinander. Die jungen Mädchen mischten sich nicht in den Streit um die Rocklänge, sie trugen die Röcke und Kleider einfach. Und je kürzer sie waren, desto sicherer konnten sie sein, beäugt zu werden. Auffallen um jeden Preis war längst zum Motto geworden. Dass in aller Spießigkeit auch die Sorge um moralische Grundwerte verborgen war, interessierte nicht.

Langweilig war die Mode im Jahr 1966 keineswegs. Sie war bunt und ideenreich und – sie war der Jugend vorbehalten.

Das Musikjahr 1966 Musikchronik

Friedliche Stimmungen

Das Musikjahr 1966 leitete David Jones ein. Dieser benannte sich schlicht in David Bowie um. Er tat dies, um weitere namentliche Verwechslungen mit Davy Jones auszuschließen. Davy Jones war Mitglied der Band „The Monkeys“. Am 17. Januar 1966 wurde „Sounds of Silence“ von „Simon & Garfunkel“ veröffentlicht. Mit der Scheibe landeten sie direkt auf dem ersten Platz der Billboard-Magazin-Charts. Vier Tage später heiratete „Beatle“ George Harrison die Schauspielerin Petty Boyd. Sie hatten sich am Set des letzten „Beatles“-Films kennengelernt. Die „Animals“ machten sich derweil gegen den Krieg in Vietnam stark. Sie hatten bereits ihren fünften Auftritt in der Ed Sullivan Show und nutzen diesen dazu, um den Anti-Vietnanam Song „We Gotta Get Out of this Place“ zu spielen. Am dritten März gründeten Richie Furay, Stephen Stills und Neil Young die Band „Buffalo Springfield“.

Die „Beatles“ wurden in diesem Jahr ganz anders gerühmt. Eine Londoner Zeitung titelte, dass die „Beatles“ nun offiziell bekannter als Jesus waren. Diese Aussage führte zu heftigen Protesten im Süden der USA, wo fromme Christen begannen CDs der „Beatles“ zu verbrennen. Etwas erfreulicher war der 11. Eurovision Song Contest. Dieser fand in der Villa Louvigny statt. Gewonnen wurde das Event von Udo Jürgens, der auch schon die beiden voran gegangen Male für Österreich angetreten war. Er gewann den Contest mit seinem eigens komponierten Liebeslied „Merci Chérie“. Die „Beatles“ unterstützen derweil einen ihrer favorisierten Clubs, den Cavern Club. Hierfür unterschrieben sie eine Petition gegen den britischen Premier Minister Harold Wilson, welche für eine Wiedereröffnung des Clubs warb. Derweil schossen die Alben von „Herb Alpert & The Tijuana Brass“ in den Billboard-Charts nach oben. Vier der Alben schafften es gleichzeitig in die Top-10 der Charts und brachten „Alpert und Tijuana Brass“ dafür einen Weltrekord ein.

Sonstige Ereignisse

Etwas traurig waren die Fans der „Animals“. Die Gruppe absolvierten 1966 ihren letzten Auftritt in der Ed Sullivan Show. Die Show am 17. April erfreute sich bester Einschaltquoten. Am 16. Mai konnten sich die Fans der „Beach Boys“ endlich über ein neues Werk ihrer Idole freuen. Das neue Album der Strand-Jungen „Pet Sound“ schlug ein wie eine Bombe und verhalf der Band zu neuer Popularität. Schockierender war hingegen die Nachricht, dass Bob Dylan mit seinem Motorrad in einen Unfall verwickelt war - er kam glimpflich davon. Gleichsam unerfreulich war die Tatsache, dass die „Beatles“ am 29. August ihr letztes offizielles Konzert im Candlestick Park in San Francisco gaben und sich wenig später auch noch die „Animals“ auflösten. Die Band hatte sich wegen interner Differenzen getrennt, formierte sich aber bereits im Dezember neu. Diesmal unter dem Synonym „Eric Burdon and the Animals“.

Neuerscheinungen und Bandgründungen

Drei Herrschaften namens Eric Clapton, Jack Bruce und Ginger Baker gründen die Band Cream und brachten im selben Jahr ihr erstes Album "Fresh Cream" auf den Markt. Mit dem Arbeitstitel "En direct de l’Olympia" stellte Mireille Matheus ihre erste Schallplatte vor.

Sportchronik 1966 - Bayern München gewann den DFB-Pokal

Formel 1

Am 22. Mai wurden die Rennen für die Teilnehmer der Formel-1-Saison 1966 freigegeben. Zum 17. Mal lieferten sich die Fahrer riskante Überholmanöver in den neun veranschlagten Rennen. Neu mit unter den Favoriten in dieser Saison war der Australier Jack Brabham, der für das Team Brabham-Repco antrat. Er war bereits in anderen Rennen positiv aufgefallen und konnte auch bei den ersten Bahnen der Formel-1 gut mithalten. Bereits nach wenigen Strecken war Brabham seinen Konkurrenten voraus und kehrte am Ende mit 42 Punkten auf dem ersten Platz auf dem Siegertreppchen ein. Der mit-favorisierte Engländer John Surtees konnte sich in seinem Ferrari mit 28 Punkten nur den zweiten Platz erkämpfen. Jochen Rindt überraschte die Zuschauer in seinem Maserati und schaffte es mit 22 Punkten überraschend auf den dritten Platz. Jim Clark und Jackie Steward schafften es nur auf den sechsten und siebten Platz. Der Titel des Konstrukteurweltmeisters ging an Brabham-Repco.

Radsport

Am 18 Mai starteten die Fahrer des 49. Giro d'Italia und lieferten sich aufregende Sprints auf der 3977 Kilometer langen Strecke. Nicht alle schafften die 22 Etappen. Von den 100 gestarteten Fahrern kamen nur 83 im Ziel an. Ziel des Giros war Triest, welches zuerst von dem Italiener Gianni Motta erreicht wurde. Motta brauchte 111 Stunden, 10 Minuten und 48 Sekunden. Zweiter wurde sein Landsmann Italo Zilioli, der drei Minuten und 57 Sekunden später im Ziel einfuhr. Als Dritter kam der Franzose Jacques Anquetil mit vier Minuten und 40 Sekunden Verspätung zu Motta in der Zielgeraden von Triest an. Eine kleine Revolution war die Teilnahme des Deutschen Rudi Altig, der den Zweiten Platz der Gesamtpunktewertung einnahm. Kurz nach dem Giro startete die 53. Tour de France. Am 21. Juni machten sich die Fahrer auf den Weg zum 4303 Kilometer entfernten Ziel in Paris. Von den 130 Teilnehmern schafften es nur 82 ins Ziel und ganz vorne Fuhr Lucien Aimar. Er meisterte die 22 Etappen als Erster und lies Jan Jansen auf dem Zweiten Platz zurück. Der geheime Favorit Raymond Poulidor schaffte es nur auf den dritten Platz. Lucien Aimar braucht 117 Stunden, 34 Minuten und 24 Sekunden bis ans Ende der Strecke.

Fußball

In der Bundesliga konnte derweil der TSV 1860 überzeugen und brachte mit vielen Glanzleistungen die Fans zu jubeln. Sie setzten sich nach einem harten Zweikampf gegen die herausforderer Borussia Dortmund durch und verwiesen diese auf den zweiten Platz. Bayern München schaffte es in der Rangliste um den Deutschen Meistertitel zwar nur auf den dritten Platz, gewann dafür aber den DFB-Pokal 1966. Das Finale wurde im Waldorfstadion ausgetragen. Hier besiegten sie im Halb-Finale zunächst den FC Nürnberg, dann erteilten sie dem Meidenreicher SV eine klare Absage im Finale. Der Meidenreicher SV musste sich mit 4 : 2 Toren geschlagen geben. 60.000 Fans wohnten im Frankfurter Stadion dem Spektakel bei.